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VI. Beispiel für den Barockgarten -
Boboli-Garten in Florenz
Der Übergang vom Renaissance- zum Barockgarten ist auch in Italien
nicht eindeutig zu bestimmen. Viele typische Elemente des Renaissancegartens,
wie beispielsweise die zu theatralischen Schauspielen gesteigerten Wasserkünste,
die weiträumig in die Landschaft eingefügten Terrassenanlagen
oder die Kunst der symmetrischen Beetornamentierung wurden vom Barockgarten
übernommen, in ihrer Ausdruckskraft gesteigert und schließlich,
im französischen Garten, ins Monumentale vergrößert.
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Der Boboli-Garten in Florenz findet in der Literatur eine
unterschiedliche Bewertung. Meistens wird er als Barockgarten vorgestellt,
obwohl die Arbeiten im Auftrage von Eleonore von Toledo, der Gattin Cosimos
I. de Medici, bereits 1549 begonnen hatten. Nach dem Tode des Gartenarchitekten
Niccolo Tribolo im Jahr 1550 wurden dessen Aufgaben von Bartolomeo Ammanati
weitergeführt. Das Grundkonzept war also noch der Renaissance verhaftet.
Tribolo nutzte das kleine Tal hinter dem Palazzo Pitti und brachte es in
die Form eines Amphitheaters, ohne es architektonisch zu fassen. Von der
Mittelachse des Palastes aus führte die Hauptallee in das Tal, schnitt
es in zwei gleiche Teile und endete auf der Höhe an einem Wasserbecken.
Mit dieser Achse war die symmetrische Struktur, also das Wegesystem, vorgegeben,
wie das Lünettenfresko von Guisto Utens anschaulich macht.
Im Laufe der Jahrzehnte änderte sich die Gestalt der
Anlage und wandelte sich allmählich zu einem barocken Garten. Das
aus bewachsenen Hängen geformte Amphitheater verlor sein Pflanzengewand
und wurde architektonisch gefasst. Die Hauptachse verlor ihre Bedeutung,
da westlich ein neues Gartenareal mit der dominanten Piazzale Isolotto
entstand.
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Oberhalb des Amphitheaters verläuft nun nahezu parallal zur Palastfassade die neue Hauptachse zum genannten Isolotto, der 1618 von Alfonso Parigi entworden wurde. Parigi entwarf ein ovales Wasserbassin mit einer künstlichen Insel. Auf dieser erhebt sich der Ozean-Brunnen. Die Verwandlung zum Barockgarten vollzog sich in der Erweiterung der Anlage ebenso wie auch – als Folge der Neudimensionierung des Geländes – in der Aufhebung der strengen Symmetrie. Das Konstruieren weitläufiger Blickachsen, die „Terrassierung des Blicks“, wurde zu einem neuen Erlebnisfaktor und damit auch zum ästhetischen Kalkül in der Neubewertung und Neuordnung des Gartens.